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KI in der Lehrkräfteausbildung: Vom Ausprobieren zum professionellen Umgang

Künstliche Intelligenz ist längst in der Lehrkräfteausbildung angekommen. Lehramtsanwärter:innen nutzen generative KI zur Unterrichtsplanung, zur Erstellung von Materialien, zur Recherche oder als Gesprächspartner bei der Entwicklung von Unterrichtsideen. Auch für Seminarausbilder:innen eröffnen sich neue Möglichkeiten. Gleichzeitig entstehen Fragen: Was verändert sich durch KI tatsächlich? Welche Kompetenzen brauchen angehende Lehrkräfte? Und wie können wir KI so in Ausbildung integrieren, dass sie professionelles Denken unterstützt, statt es zu ersetzen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich unsere KI-Werkstatt am ZfsL Engelskirchen.

Nicht über KI reden – mit KI arbeiten

Ein Ausgangspunkt unserer Arbeit ist eine einfache Erfahrung: Über die Möglichkeiten und Grenzen generativer KI lässt sich nur begrenzt abstrakt diskutieren. Vieles wird erst sichtbar, wenn man selbst damit arbeitet.

Deshalb verstehen wir die KI-Werkstatt als Erprobungsraum. Im Mittelpunkt steht nicht die Präsentation fertiger Antworten, sondern das gemeinsame Experimentieren: Wir geben einer KI einen konkreten Arbeitsauftrag, verändern Prompts, vergleichen Ergebnisse, entdecken überraschend hilfreiche Vorschläge – und ebenso überzeugend formulierte Antworten, die einer genaueren Prüfung nicht standhalten.

Gerade diese Erfahrung ist für die Lehrkräfteausbildung entscheidend. Wer zukünftige Lehrer:innen zu einem professionellen Umgang mit KI befähigen möchte, braucht selbst Gelegenheit, Möglichkeiten und Grenzen dieser Werkzeuge kennenzulernen.

KI als Partner im Planungsprozess

Besonders interessant ist der Einsatz generativer KI bei der Unterrichtsplanung.

Eine KI kann beispielsweise helfen,

  • erste Unterrichtsideen zu entwickeln,
  • unterschiedliche Zugänge zu einem Thema gegenüberzustellen,
  • Aufgabenstellungen zu variieren,
  • mögliche Lernschwierigkeiten zu antizipieren,
  • Materialien zu überprüfen,
  • Alternativen zu einer bestehenden Planung vorzuschlagen oder
  • bewusst die Rolle eines kritischen Gegenübers einzunehmen.

Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, was „Planen mit KI“ bedeutet. Es geht nicht darum, einen vollständigen Unterrichtsentwurf auf Knopfdruck erzeugen zu lassen. Interessanter ist der Dialog mit der KI.

Eine Planung kann hinterfragt, verworfen und neu entwickelt werden. Die KI kann nach Begründungen fragen oder alternative Wege anbieten. Sie kann Zusammenhänge sichtbar machen, auf Leerstellen hinweisen und dabei helfen, eine zunächst diffuse Idee weiterzuentwickeln.

Der eigentliche professionelle Denkprozess bleibt dabei beim Menschen.

Entscheidend ist nicht der perfekte Prompt

Im Umgang mit generativer KI wird häufig nach dem „richtigen Prompt“ gesucht. Gute Anweisungen sind zweifellos hilfreich. Für die Lehrkräfteausbildung erscheint uns jedoch eine andere Kompetenz noch wichtiger: die Fähigkeit, mit den Antworten der KI weiterzuarbeiten.

Professioneller Umgang mit KI bedeutet beispielsweise,

Ergebnisse nicht einfach zu übernehmen, sondern sie fachlich und didaktisch zu prüfen. Es bedeutet, Rückfragen zu stellen, Kriterien zu formulieren, Widersprüche zu entdecken und die KI immer wieder mit zusätzlichem Kontext zu versorgen.

Damit rückt weniger eine Sammlung vermeintlich perfekter Promptformeln in den Mittelpunkt als eine dialogische Nutzungskompetenz.

Wer gute Fragen stellen, Ergebnisse beurteilen und Entscheidungen begründen kann, nutzt KI anders als jemand, der lediglich möglichst schnell ein fertiges Produkt erzeugen möchte.

KI-Kompetenz ist mehr als Anwendungskompetenz

Dabei reicht es nicht, einzelne KI-Werkzeuge bedienen zu können.

Ein professioneller Umgang mit KI braucht unterschiedliche Perspektiven. Lehrkräfte sollten zumindest in Grundzügen verstehen, wie generative KI arbeitet und warum ihre Antworten fehlerhaft sein können. Sie müssen beurteilen können, wann der Einsatz von KI sinnvoll ist und wann nicht. Und sie brauchen Kriterien, mit denen sich Ergebnisse fachlich, didaktisch, rechtlich und ethisch bewerten lassen.

Damit berührt KI-Kompetenz mehrere Ebenen gleichzeitig:

Wie funktioniert KI?

Wie verändert KI Lernen, Schule und Gesellschaft?

Wie kann ich KI sinnvoll für meine professionelle Arbeit nutzen?

Diese Verbindung von technologischem Verständnis, kritischer Reflexion und praktischer Anwendung ist für die Lehrkräfteausbildung besonders wichtig.

Was bedeutet das für Ausbildung?

Generative KI stellt nicht nur neue Werkzeuge bereit. Sie berührt grundlegende Fragen der Lehrkräfteausbildung.

Wenn KI innerhalb weniger Sekunden Unterrichtsentwürfe, Arbeitsblätter, Erwartungshorizonte oder Reflexionstexte erzeugen kann, verliert die bloße Produktion solcher Texte als Nachweis professioneller Kompetenz an Aussagekraft.

Umso wichtiger werden andere Fähigkeiten:

eine Situation analysieren, Entscheidungen begründen, Alternativen gegeneinander abwägen, die Qualität von Vorschlägen beurteilen und das eigene professionelle Handeln reflektieren.

Vielleicht liegt genau darin eine der interessantesten Konsequenzen der aktuellen Entwicklung: KI macht keineswegs weniger professionelles Denken notwendig. Im Gegenteil. Sie erhöht die Anforderungen daran.

Ein gemeinsamer Lernprozess

Unsere KI-Werkstatt versteht sich deshalb bewusst nicht als Expert:innenrunde, in der einige wenige anderen erklären, wie KI funktioniert. Sie ist ein gemeinsamer Lernraum.

Erfahrungen der Teilnehmenden sind dabei ebenso wichtig wie neue Werkzeuge und theoretische Perspektiven. Wir probieren aus, vergleichen, diskutieren und versuchen aus den Erfahrungen konkrete Handlungsoptionen für die Lehrkräfteausbildung am ZfsL zu entwickeln.

Dabei werden sicherlich auch Regeln und Grenzen notwendig sein. Entscheidend ist jedoch, dass sie aus einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Technologie entstehen – nicht allein aus der Sorge vor möglichen Fehlentwicklungen.

Lehrkräfteausbildung neu denken – auch mit KI

Die Entwicklung generativer KI verläuft schnell. Welche Werkzeuge wir in einigen Jahren nutzen werden, lässt sich kaum vorhersagen.

Gerade deshalb sollte Lehrkräfteausbildung nicht in erster Linie den Umgang mit einzelnen Anwendungen vermitteln. Sie sollte Menschen dazu befähigen, neue Technologien selbstständig zu erschließen, kritisch zu beurteilen und verantwortungsvoll für professionelles Lernen und Handeln zu nutzen.

Dazu braucht es Räume zum Ausprobieren.

Räume für Irritation und Diskussion.

Und Räume, in denen aus ersten Experimenten allmählich professionelle Praxis entstehen kann.

Genau ein solcher Raum soll unsere KI-Werkstatt sein.

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