Warum gute Kooperation in der Lehrkräfteausbildung nicht bedeutet, dass Schule und Seminar dasselbe tun
Lehrkräfteausbildung findet an unterschiedlichen Orten statt. Lehramtsanwärter:innen lernen im Seminar und in ihrer Ausbildungsschule. Sie werden von Fachleitungen, Kernseminarleitungen, Ausbildungsbeauftragten und Ausbildungslehrkräften begleitet.
Schnell entsteht daraus die Forderung nach möglichst guter „Verzahnung“: Schule und Seminar sollen ihre Ausbildungsarbeit aufeinander abstimmen, Inhalte koordinieren und möglichst an einem Strang ziehen.
Das ist richtig – und greift vielleicht trotzdem zu kurz.
Denn gute Kooperation bedeutet nicht, dass alle Beteiligten dasselbe tun. Gemeinsame Verantwortung kann gerade darin bestehen, Unterschiedliches beizutragen.
Wo kann man das eigentlich am besten lernen?
Diese Frage wurde für uns bei einem Treffen mit Ausbildungsbeauftragten unserer Ausbildungsschulen im Mai 2026 besonders deutlich.
Ausgangspunkt war die Beschäftigung mit den Konkretionen der neuen OVP. Wir wollten klären, welche Rolle Ausbildungsschule, Kernseminar und Fachseminar bei ihrer Bearbeitung übernehmen sollten.
Dabei entstand ein zunächst einfacher, aber für uns wichtiger Gedanke:
Die Verantwortung für die professionelle Entwicklung der Lehramtsanwärter:innen tragen wir gemeinsam. Die konkreten Lerngelegenheiten sollten aber dort entstehen, wo sie sinnvoll und authentisch möglich sind.
Damit verändert sich die Perspektive.
Eine Ausbildungsschule bietet andere Lerngelegenheiten als ein Seminar. Schulische Entwicklungsprozesse, Zusammenarbeit in Kollegien oder die konkrete Organisation von Schule lassen sich dort nicht nur besprechen, sondern erleben. Das Kernseminar kann Erfahrungen einordnen, übergreifende Zusammenhänge herstellen und Reflexionsräume schaffen. Das Fachseminar wiederum kann fachliche und fachdidaktische Perspektiven mit konkreten Unterrichtserfahrungen verbinden. Genau eine solche differenzierte Verantwortung wurde auch beim ABB-Treffen herausgearbeitet.
Kooperation braucht keine Gleichförmigkeit
Vielleicht liegt gerade darin eine Chance.
Wenn jeder Ausbildungsort versucht, möglichst alle Bereiche professioneller Entwicklung selbst abzudecken, entstehen zwangsläufig Doppelungen. Im ungünstigsten Fall erleben Lehramtsanwärter:innen dieselben Themen mehrfach – mit unterschiedlichen Begriffen, Erwartungen und Anforderungen.
Die Alternative wäre nicht weniger Kooperation, sondern eine andere Form von Kooperation:
Nicht: Wer behandelt welches Thema?
Sondern: Wer kann welche Lerngelegenheit besonders gut ermöglichen?
Dann muss nicht jeder alles machen. Aber alle Beteiligten müssen voneinander wissen und ihre Beiträge aufeinander beziehen.
Beim ABB-Treffen wurde deshalb unter anderem vereinbart, die Verantwortlichkeiten von Ausbildungsschule, Kernseminar und Fachseminar weiter zu klären und schulische Ausbildungsprogramme stärker mit den Curricula des Seminars abzustimmen.
Das ist zunächst eine organisatorische Aufgabe. Dahinter steht aber eine grundsätzliche Vorstellung von Lehrkräfteausbildung:
Gemeinsame Verantwortung bedeutet nicht, dass alle dasselbe tun. Sie bedeutet, unterschiedliche Lerngelegenheiten so miteinander zu verbinden, dass daraus ein gemeinsamer Professionalisierungsprozess entsteht.